17.09.2020

Pressemitteilung zum Aus der Pflegekammer Niedersachsen


Sehr geehrte Damen und Herren, 


Nun ist es soweit und die politisch Verantwortlichen in Niedersachsen haben sich in einer weiteren Umfrage die Legitimation eingeholt, dass die Pflegekammer in Niedersachsen aufgelöst werden darf.

So bedauerlich und tragisch es für die Profession Pflege auch ist, es war leider absehbar.


Es belegt wieder einmal sehr eindrucksvoll, dass die Politik überwiegend nicht gewillt ist, der Pflege eine starke Stimme zu geben und das sie es vorzieht, die Berufsgruppe der professionellen Pflege lediglich mit Lippenbekenntnissen und warmen Worten (systemrelevant) zu besänftigen, statt sie mit Taten zu unterstützen!


Die Schuld aber ausschließlich auf die Politik abzuwälzen, wäre in diesem besonderen Falle zu einfach, denn Versäumnisse gab es auch innerhalb der eigenen Reihen.

Vor allem in den ersten Monaten ihres Bestehens hat es die Pflegekammer Niedersachsen leider versäumt, eine vertrauensvolle Basis für die Zukunft zu legen und nicht zuletzt der heiß diskutierte Mitgliederbescheid mit der Berechnungsgrundlage für die Pflichtbeiträge war eine Steilvorlage für die Kritiker*innen. 


Diese haben es in der Folgezeit entsprechend genutzt und verstanden, die Vorbehalte und Stimmung gegen die Pflegekammer von der Straße ins Parlament zu tragen. Das Ergebnis liegt jetzt vor.


Die Tatsache, dass die Dienstleistungs-Gewerkschaft ver.di anhaltend konstant wie polemisch gegen die Selbstverwaltung der Profession Pflege vorgeht sei hier nur am Rande erwähnt…


Das Dilemma der Pflege war und ist der (viel zu) niedrige Organisationsgrad, sowohl in Gewerkschaft, als auch in Berufsverbänden. Und vor allem letzteren ist es leider nicht gelungen ihre Mitglieder und weite Teile der Berufsgruppe für das Thema zu begeistern und zur Abstimmung zu motivieren. 


In unseren Augen bleibt es dabei, dass die zentralen Themen heute, hier und jetzt „Personalstellen und Vergütung“ sind. Ohne mehr Personal wird es keine Entlastung der vorhandenen Pflegekräfte und somit keine Verbesserung der Versorgungsqualität in der Pflegepraxis geben. Und ohne eine deutlich bessere Vergütung (4.000 € als Fachkraft-Mindestlohn) wird es weiterhin nicht attraktiv sein, im eigentlich so schönen Beruf zu bleiben oder sich für ihn zu interessieren!


Themen wie Generalistik und Akademisierung sehen wir aus diesem Grund als nachrangig an, auch wenn sie wichtige Zukunftsbausteine sind bzw. sein können.

Aber selbst die Zukunft der Generalistik ist längst noch nicht gesichert und da hilft es auch nicht, dass man inzwischen wissenschaftliche Ideen entwickelt hat, wie die Hauswirtschaft die Pflege entlasten kann. 


„Pflege ist keine medizinische Versorgung auf niedrigem Niveau und Pflege ist keine hauswirtschaftliche Versorgung auf hohem Niveau. Pflege ist zu allererst einmal Beziehungsgestaltung“, wie es Rolf Heine bei unserer Salon-Lesung in Stuttgart 2018 auf den Punkt gebracht hat.


Abschließend bedanken wir uns besonders Nadya Klarmann für ihr beherztes Engagement, denn sie hat es in den letzten Wochen und Monaten als Präsidentin hervorragend verstanden, der Pflege(kammer) in Niedersachsen eine Stimme zu geben. Damit hat sich zumindest angedeutet, dass das Potential in der Berufsgruppe vorhanden ist.


In unseren Augen ist Unabhängigkeit eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg von Pflegekammern.

Das setzt zum einen voraus, dass Abhängigkeit von Parteien vermieden werden muss, aber darüber hinaus ist ebenso genauestens darauf zu achten, sich unabhängig von Lobbyisten mit eigenen finanziellen Interessen zu halten und zu machen. 


Es bleibt noch viel zu tun und wir bleiben in Bewegung. 


Mit freundlichen Grüßen,


       

Pflege in Bewegung e.V.

      -Der Vorstand-